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Filzprojekte

Blickfang - Filzobjekte

Wenn ich mit reiner Schurwolle arbeite, dann ist das eine Begegnung mit der Natur. Ganz persönlich, aufmerksam und achtsam mit allen Sinnen. Die leuchtenden Farben erlauben es mir, den Regenbogen einzufangen und in meinen Objekten festzuhalten. Auch wenn es nicht geht, Licht einzufangen – ich weiß das. Es wird mich immer faszinieren.

Die geballte Kraft der Natur erlebe ich, wenn sich natürliche, ungefärbte Wolle mongolischer Yak-Rinder verfilzt und sich dabei dieses feine Flaumhaar mit einheimischer Schafwolle in den unterschiedlichsten Naturschattierungen kombiniert.
Oder wenn sich kraftvoll gefärbte Wolle zwischen meinen Fingern zu neuen Formen, zu einer gewaltigen Farbkraft komponieren. Es ist wie eine Meditation – die Entstehung der Filzgestalten ist immer auch zufällig. Sie fallen mir zu in ihrer Form und ihrer Anmut. Sie entspringen der Kommunikation meines Inneren, meiner Fantasie, und den nassen Wollfasern zwischen meinen Fingern. Mitzugehen mit dem, was beim Verfilzen passiert, ist vergleichbar mit dem Wasser eines Flusses, das sich den Gegebenheiten des Flußbetts hingibt, ihnen sozusagen vertraut und sich ihnen ausliefert.

Die Verbindung schaffen zwischen Bäumen, Ästen, Steinen und dem aus meiner Hand entstandenen Filz – wird zum Blickfang für den Betrachter und will hinführen auf die Natur: Seht, wie schön sie ist, wie einmalig jedes einzelne Element! Ob Astgabel, Blätterdach, Wurzelwerk, abgebrochener Ast oder bloß der Kieselstein am Wegesrand.

Wir leben heute mehr und mehr entfernt vom Natürlichen, sei es in unserer Ernährung, in den Textilien, mit denen wir uns kleiden, oder in unserem Alltag. Die „Blick-Fänge“ möchten den Blick wieder richten auf das, was um uns herum geschieht: Stehen bleiben, hinschauen, wahrnehmen – das ist das Ziel. Denn: „Das Äußere einer Pflanze ist nur die Hälfte ihrer Wirklichkeit.“ (Johann Wolfgang von Goethe)